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IKAR in Mass and Industry Media


Getreidepreise fahren Achterbahn

agrarheute.com, 27.04.20


Mit den Weizenpreisen geht es rauf und runter. Doch das Niveau bleibt weiter hoch und die Aussichten auf einen erneuten Anstieg sind recht gut.

© AdobeStock/Alexej Lesik

Das liegt unter anderem an dem hohen Exporttempo in Russland und der Ukraine. Dort k?nnte es bald zur Aussetzung der Getreideexporte kommen, denn die selbst gesetzten Limits sind bald erreicht. Hinzu kommt jedoch, dass es in weiten Teilen des s?drussischen Weizeng?rtels und in der Ukraine sehr trocken ist und dass dies die Aussichten auf die neue Ernte – vor allem in der Ukraine – sehr negativ beeinflusst.

© Olaf Zinke

Die Trockenheit in Deutschland und in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas d?rfte indessen erst einmal vor?ber sein, denn die n?chsten Tage bringen Regen und helfen die Folgen der extremen Apriltrockenheit doch noch etwas auszugleichen. Dennoch sind zuletzt gerade die Preise f?r die neue Ernte weiter gestiegen, denn die Aussichten auf die Fortsetzung der derzeit boomenden europ?ischen Weizenexporte haben sich vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung am Schwarzen Meer, aber auch in S?damerika, weiter verbessert.

Argentinien als einer der wichtigsten Weizenexporteure der S?dhalbkugel, ist wegen eines extremen Niedrigwassers auf dem Paran?-Fluss, derzeit kaum noch in der Lage, gr??ere Mengen Weizen, Mais und Soja zu verschiffen. Auch der S?den Brasiliens ist von dieser schlimmen Trockenheit betroffen.

Am vorigen Freitag notierte der vordere Maikontrakt f?r den Weizen am europ?ischen Terminmarkt bei knapp 198 Euro. Das waren 5 Euro weniger als zur letzten Preisspitze. Die neue Ernte notierte bei 190 Euro je Tonne. Am heutigen Montag (27. April) starten die Weizenpreise im vorb?rslichen Handel in Chicago schw?cher und sorgen damit zun?chst auch in Europa f?r etwas schw?chere Kurse. Der Maitermin wird im laufenden Handel mit 196 Euro je Tonne gehandelt und die neue Ernte mit 187 Euro.

Verwirrung um Russlands Exportquote

Russische Analysten gehen davon aus, dass die russischen Getreideexporte erst einmal weiterlaufen, obwohl die festgelegt Quote Ende April fast ausgesch?pft ist. Ursache ist, dass gro?e Getreideh?ndler versuchen, sich vor dem Exportstopp noch m?glichst viele Zolldokumente f?r k?nftige Lieferungen zu beschaffen. Deshalb geht man davon aus, dass die Exporte des weltweit gr??ten Weizenexporteurs zun?chst einmal fortgesetzt w?rden.

© AdobeStock/lja Kopnevnj

Die russische Regierung hatte nach dem Ausbruch des Coronavirus f?r den Zeitraum April bis Juni eine Export-Quote f?r die Getreide von 7 Millionen Tonnen festgelegt. Der Online-Export-Rechner der russichen Regierung zeigte am Ende der vorigen Woche jedoch, dass nur noch knapp 900.000 Tonnen Getreide f?r den Export verf?gbar waren.

Dmitry Rylko, der Chef der russischen Analystenfirma IKAR erkl?rte den Sachverhalt gegen?ber Medien folgenderma?en: „Die Dynamik, die wir im Export beobachten, wird durch H?ndler verursacht, die sich beeilen, beim Zoll sogenannte halbfertige Erkl?rungen f?r ihre im Mai oder Juni geplanten Ausfuhren zu bekommen. Diese auf dem Papier stehenden Erkl?rungen werden jedoch zur m?glichen Quote hinzugez?hlt und dann sp?ter in endg?ltige Zolldokumente umgewandelt, wenn diese H?ndler das Getreide in den n?chsten Monaten dann auch wirklich versenden", sagte Rylko weiter.

In Wirklichkeit d?rften die physischen Getreideexporte Russlands im April also nicht mehr als 4 Millionen Tonnen betragen haben, so dass f?r Mai und Juni noch fast 3 Millionen Tonnen f?r den Export zur Verf?gung stehen, obwohl die Quote scheinbar ersch?pft ist, hie? es weiter. Unklar ist jedoch, wie die russischen Beh?rden auf diese Entwicklung reagieren. Russland hat die Getreideexporte zun?chst bis zum 1. Juli ausgesetzt, sobald die Exportquote ausgesch?pft ist. Bisher wurde erwartet, dass dies Mitte Mai geschehen w?rde.

Ukraine: Wetter und Corona dr?cken auf die neue Ernte

Die Ukraine war im April mit sehr trockenem Wetter konfrontiert, was die bereits geringe Feuchtigkeitsreserven im Boden weiter reduzierte, meldete die ukrainische Analystenfirma APK-Inform. "Infolgedessen bestehen im Gro?teil des Landes schlechte Bedingungen f?r das Wachstum und die Entwicklung aller landwirtschaftlichen Kulturen", schreiben die Analysten.

© AdobeStock/Sergbob

Bis zum 16. April hatten die Landwirte in der Ukraine rund 4,8 Millionen Hektar mit Sommergetreide bestellt, das waren 32 Prozent der geplanten Sommergetreidefl?che von 15,3 Millionen Hektar. Die Anbaufl?che f?r Mais soll in diesem Jahr voraussichtlich auf 5,4 Millionen Hektar ansteigen, gegen?ber 5 Millionen Hektar im Jahr 2019.

Im vorigen Jahr hatten die ukrainischen Landwirte eine Rekordernte von 75 Millionen Tonnen Getreide eingebracht. In diesem Jahr k?nnte die Erntemenge – auch wegen einer witterungsbedingt deutlich kleineren Winterweizenfl?che – auf 65 bis 67 Millionen Tonnen schrumpfen und bei anhaltender Trockenheit und in Folge der Corona-Krise, k?nnte die Ernte auf nur noch 60 Millionen Tonnen absacken, prognostizierte das ukrainische Wirtschaftsministerium in der vorigen Woche.

Exportiert hat die Ukraine bisher 25,2 Millionen Tonnen Getreide, dass sind 2,7 Millionen Tonnen mehr als in der vorigen Saison. Darunter waren 18,5 Mio. Tonne Weizen, 4,5 Mio. Tonne Gerste und knapp 25 Mio. Tonnen Mais. Derzeit will die ukrainische Regierung – ?hnlich wie Russland – nicht nur die Ausfuhr von Weizen begrenzen, sondern etwas ?berraschend auch den Export von Mais – n?mlich auf 29,3 Millionen Tonnen – wie das ukrainische Wirtschaftsministerium vorige Woche mitteilte.

Europ?ischer Export brummt – Exportpreis weiter gestiegen

Aufgrund der immer st?rkeren globalen Exportrestriktionen infolge von Covid-19 und der gleichzeitig boomenden Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln wie Weizen, k?nnen die europ?ischen L?nder gar nicht so viel Weizen exportieren wie nachgefragt wird. Das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten (USDA) hatte die Prognosen f?r die europ?ischen Weizenexporte deshalb zuletzt noch weiter nach oben gesetzt.

© AdobeStock/Alicja Neumiller

Der zwischenzeitlich von Rum?nien verh?ngte Exportstopp in Drittl?nder ist offenbar wieder zur?ckgenommen worden. Aus Bukarest wurde berichtet, dass die Regierung mit Getreideh?ndlern vereinbart hat, die Getreidevorr?te der Staatsreserve aufzustocken. Landwirte und Getreideh?ndler hatten zuvor massiv gegen das Exportverbot protestiert. Ausl?ser f?r das Verbot waren Sorgen der Regierung hinsichtlich der rum?nischen Lebensmittelsicherheit infolge von Hamsterk?ufen und stark steigender Lebensmittelpreise.

Insgesamt haben die Europ?er bis zum 19. April bereits 28,7 Millionen Tonnen Weizen exportiert. Das sind 10,9 Millionen Tonnen bzw. 61 Prozent mehr als im vorigen Jahr. Gr??ter Exporteur ist Frankreich mit 9,2 Millionen Tonnen gefolgt von Rum?nien mit 4,5 Millionen Tonnen. Deutschland kommt immerhin auf Ausfuhren von 3,6 Millionen und Polen verschiffte 2,5 Millionen Tonnen. Der Export-Boom hat auch die Exportpreise weiter steigen lassen.

So wurde der Brotweizen an den franz?sischen Exporth?fen vorige Woche f?r 228 USD je Tonne verladen – ein Anstieg von 5 USD zur Vorwoche. Am Schwarzen Meer lagen die Preise h?her als in Frankreich bei 232 USD je Tonne. In den USA kostete der Chicago-Weizen am US-Golf 236 USD je Tonne und damit noch etwas mehr.

Futtergerste wurde in Frankreich vorige Woche f?r 181 USD je Tonne verladen und am Schwarzen Meer f?r 182 USD je Tonne – und damit zur Vorwoche unver?ndert. Hauptabnehmer f?r europ?ischen Weizen waren zuletzt Algerien, Saudi-Arabien, Marokko, ?gypten und China.

https://agrarheute.com/markt/marktfruechte/getreidepreise-fahren-achterbahn-567875



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